om13 - release18

openmind #om13
Challenge accepted.

Referenten
Jasna Strick
Programm
Tag Sonntag - 2013-08-25
Raum Raum 1
Beginn 14:00
Dauer 01:00
Info
ID 240
Veranstaltungstyp Vortrag
Track gesellschaft
Sprache der Veranstaltung deutsch

"Ihr gehört nur mal ordentlich durchgevögelt"

Hatespeech und Victim Blaming nach dem #Aufschrei

Die #Aufschrei-Debatte startet mitten in der Nacht auf Twitter, weil Frauen einfach begannen, über ihre Erlebnisse in Bezug auf Sexismus und sexualisierte Gewalt zu schreiben. Andere schlossen sich an, ohne dass es dafür jemals einen Aufruf gebräucht hätte. Die Debatte schwappte in die klassischen Medien, von dort aus wieder zurück ins Netz und ist bis heute nicht versiegt. Es gab unterschiedliche Reaktionen auf die Geschichten, die erzählt wurden: Viele (Männer) waren entsetzt und überrascht von einer Lebenswelt, die sie so nicht kannten, und zeigten Mitgefühl. Besonders präsent war jedoch die andere Seite.

Das, was im Netz so gerne als "Trollerei" abgetan wird, erreicht im feministischen Kontext oft ein ganz neues Ausmaß. Die meist sehr persönlichen Geschichten wurden vielfach direkt abgewertet, was besonders bei diesem empfindlichen Thema verheerende Folgen haben kann. Vielen derjenigen, die sich an der Aktion beteiligten, wurde durch die Reaktionen noch einmal gezeigt, wie nötig die Debatte ist. Wer sich besonders aktiv hervortut, bekommt Tweets, Facebooknachrichten, SMS und Emails - bis heute. Da wird auch schon mal gedroht, die Frauen bei ihren Arbeitgeberinnen oder Vermieterinnen schlecht zu machen oder es werden eigene Blogs allein für die Diffamierung einzelner Personen eröffnet. Von Beschimpfungen unter der Gürtellinie bis hin zu Vergewaltigungs- und Morddrohungen ist alles vorhanden. Wenn dann Twitterinnen geblockt oder Blogkommentare wegen beleidigendem Inhalt nicht freigeschaltet werden, kippt die Diskussion ganz schnell dahingehend, dass Feministinnen nicht mit "Kritik" umgehen könnten und das eigentliche Thema der Debatte ist vergessen.

Ich würde gerne aufzeigen, welche Reaktionen der #Aufschrei hervorgerufen hat und zumindest kurz versuchen, diese zu analysieren. Ich möchte erläutern, wie "Zensur" und "Meinungsfreiheit" oft als Buzzwörter und Totschlagargumente benutzt werden, die dafür sorgen, dass Opfer von Psychoterror im Netz sich auch noch rechtfertigen müssen, wenn sie sich wehren. Es wäre schön, wenn eine anschließende Diskussion zum Thema dann vor allem zu mögliche Lösungsstrategien anregen könnte.