dascamp12 - 0.5

Das Camp 2012
politik und draussen

Referenten
FJ
Programm
Tag Tag2 - 2012-07-07
Raum Scheune
Beginn 19:00
Dauer 00:45
Info
ID 91
Veranstaltungstyp Vortrag
Track Vorträge
Sprache der Veranstaltung deutsch
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Das Internet und sein Einfluss auf die Gesellschaft III/III: Neue Medien in der Lehre

EduZen - ein Studienreformprojekt zur Nutzung der neuen Medien durch Lehrende und Lernende: Internetbasierte Metaplattformen für individuelle Lehr- und Lernpfade

Die neuen Medien durchlaufen derzeit eine Entwicklung, die das Internet von einer reinen Informationsplattform in Richtung eines interaktiven Werkzeuges zur Gestaltung des täglichen Lebens, in privater und beruflicher Hinsicht transformiert. Dazu gehören auch individualisierte und interaktive Formen des Lehrens und Lernens, die unter Nutzung des Internets nicht nur dem Transfer von Wissen, sondern auch der Zusammenführung verschiedenster Internetangebote, der kollaborativen Zusammenarbeit und der Gestaltung eines persönlichen Lernpfades durch die Studierenden dienen.

Studienreformprojekt EducationZEN

Es gibt im Sommersemester 2012 ein neuartiges Tutorium zur nachhaltigen Verbesserung des Mathematiktutoriums in der Mathe für Chemikerinnen/Chemiker. Bis zu 30 Studierende können an dieser Form des Tutoriums teilnehmen, es gibt dabei betreutes Rechnen, kleinteiligere Aufgaben und größere Flexibilisierung des Abgabeturnus. Auch soll es ein feedback über den jeweils aktuellen Leistungsstand geben. Innerhalb des Tutoriums wird auch das Korrigieren geübt (Lernen aus Fehlern und aus Korrekturarbeit), indem die Studierenden an 1-2 Beispielzetteln (auf Wunsch gerne mehr) auch die Aufgaben anderer Studierender korrigieren.

Die TU Berlin hat aufgrund ihrerguten Positionierung im Bereich der Informationswissenschaften und MINT Fächer (Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften und Technik) bereits zahlreiche Applikationen und Onlineangebote zur Förderung des multimedialen Lernens entwickelt, wie die Systeme ISIS, MuLF und MUMIE, aber auch Werkzeuge zur individuellen Gestaltung durch die Studierenden, wie z.B. das Portal MyDESK.

Allerdings sind trotz dieser diversen innovativen Vorstöße neben den klassischen Vorlesungen auch viele Übungen noch als Frontalunterricht konzipiert. Die Möglichkeiten zur Flexibilisierung des Übungsbetriebs durch Einbindung bereits verfügbarer Video-Inhalte, flexible Abgabe und Korrektur von Hausaufgaben und der Koordination von gemeinsamen Rechenübungen sind noch bei weitem nicht vollständig ausgeschöpft. Diese Herausforderung will das Studierendenreformprojekt "EducationZEN" unter der Beteiligung der Antragsteller Thilo Schönnemann, Alexander Scharz und Dr. Franz-Josef Schmitt und der Leitung von Prof. Dr. Thomas Friedrich (Institut für Chemie / Physikalische Chemie / Biophysikalische Chemie) in Angriff nehmen.

Das Projekt startet im Juni 2012 und wird zunächst den Studierenden in der Veranstaltung Mathematik I für Chemikerinnen und Chemiker im WS 2012/13 erstmalig parallel zu den regulären Tutorien angeboten. Alle Studierenden sind eingeladen, an der aktiven Gestaltung dieses neuen Tutoriums mitzuwirken und ihre Vorstellungen von neuen Lehrformen an die Veranstalter rückzukoppeln. Ab Sommer 2013 ist dann die Ausdehnung auf weitere Lehrveranstaltungen geplant.

Ein Projektteil besteht in der Entwicklung einer Metaplattform zur individuellen Gestaltung durch Lehrende und Lernende, die den Nutzen der bestehenden TU-Angebote zusammenfügt und optimiert präsentiert. Für die jeweilige Lehrveranstaltung geeigneter externer Content kann dabei in die Struktur mit eingebunden werden. Die Studierendem können im Rahmen dieser Plattform verschiedenste Datenformate verarbeiten, in TEX/LATEX-Format umwandeln, rechnen, ihre Übungsaufgaben bearbeiten, sowie diese abgeben, und sie erhalten zeitnah ein individuelles Feedback. Langfristig sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, sich durch die Entwicklung eigener Übungsaufgaben und die Korrektur der Lösungen ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen zu profilieren und so auch soziale Schlüsselqualifikationen erwerben, die dem Erwerb von fachlichem Wissen übergeordnet sind. Die erworbenen Fähigkeiten werden gespeichert und könnten beispielsweise als eine Art fakultativer Leistungsnachweis neben den obligatorischen Leistungen der Curricula fungieren. Die zu entwickelnde Metaplattform wird es auch ermöglichen, Querbeziehungen zwischen den Lehrinhalten und deren Anwendungen in der Praxis oder in benachbarten wissenschaftlich-technischen Disziplinen zu ziehen und sichtbar zu machen, so dass eine vernetzte Lernstruktur entsteht, die deutlich inter- oder transdisziplinären Charakter hat.

Im zweiten Projektteil soll der Übungsbetrieb von einem frontal geprägten zu einem interaktiveren Format umgestaltet werden. Wichtig ist hierbei, dass die Zeit, die beim Erledigen von Routineaufgaben wie dem Erstellen und Korrigieren der Aufgaben durch die Tutorinnen und Tutoren mit Hilfe der multimedialen Unterstützung eingespart wird, für eine individuelle Betreuung, flexiblere Termingestaltung, Zusatztutorien oder die Schaffung internetfähigen Contents (z.B. Videovorlesung und -tutorien) freigesetzt wird.

Auf längere Sicht ist hierbei zu erwarten, dass die Grenzen zwischen verschiedenen Veranstaltungen und Fachdisziplinen verschwimmen und fächerübergreifende (interdisziplinäre) aber auch transdisziplinäre (durch Synergie bestehender Angebote neu geschaffene) Lehrangebote entstehen. Ziel ist es, nicht nur die Methoden (z.B. Mathematische Grundkenntnisse) innerhalb einer Veranstaltung zu vermitteln, sondern durch Quervernetzung einer bestimmten Problemstellung den Blick auf das gesamte Lösungs- und Anwendungsspektrum (Experiment, theoretische Betrachtungen, prosaische Beschreibungen, erkenntnistheoretische Zusammenhänge) durch Nutzung des verfügbaren Internetcontents zu erweitern.