dascamp12 - 0.5

Das Camp 2012
politik und draussen

Referenten
Pluto
Programm
Tag Tag1 - 2012-07-06
Raum Scheune
Beginn 20:00
Dauer 00:15
Info
ID 77
Veranstaltungstyp Vortrag
Track Vorträge
Sprache der Veranstaltung deutsch
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Post-Post-Gender

A World without post-gender oder gender

Impulsreferat

Wo ist der Sinn, im Jahre X der Generation Y überhaupt noch über Geschlechter, Bilder von Männlichkeit und auch den manchmal notwendigen Vergleichen zu Frauen zu schreiben? Sind die Unterschiede zwischen den Menschen nicht größer als die zwischen den Geschlechtern?

Aus dem Buch:

Ganz viele beantworten die erste Frage ganz klar für sich, wenn sie annehmen, dass die post-emanzipatorische Frau und der Mann von heute diese Themen hinter sich gelassen haben. Dass wir nun in der egalitären Gesellschaft leben, in der Geschlechterrollen und Geschlechterbilder sowas von letztes Jahrtausend sind, dass es sich nicht mehr lohnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Teilweise sehe ich das auch so. Dass die Unterschiede zwischen den Menschen so viel größer sind, dass es eher um die Betrachtung des Einzelnen geht, als um ein Bild einer bestimmten Gruppe. Dieser Trend passt auf vielen Ebenen zum Geist der heutigen Zeit. Schubladen sind ein Schimpfwort. Jeder will individuell, am besten sogar verhaltensoriginell sein. Der hyper-individualisierte Mensch des beginnenden dritten Jahrtausends empfindet es als Beleidigung, als Teil einer Gruppe gesehen zu werden. Sei die Gruppe nun Hip-Hopper, Mann, Goth, Homo oder sonstiges. Das Ziel ist ganz klar: anders sein. Nicht in Familienverbänden leben, sich nicht über die Gruppe definieren, sich selbst finden. Auch dieses Buch stößt in dieses Horn. Sei Du selbst, finde Dich, sei nur Du, lass Dich nicht von Zwängen und Regeln einengen. Und dennoch, bei aller Selbstfindung und Ich-Bezogenheit sehe ich die Notwendigkeit, sich als Teil einer Gruppe zu sehen. Eine Schublade zu finden, die zu einem passt, in der man sich wohl fühlt. Den Selbst-Bezug auch am Konflikt und an der Zugehörigkeit zu Gruppen fest zu machen. Neben den vielen selbst zu wählenden Gruppen ist das genetische Geschlecht und der daraus entstehende Körper, also der Genotyp und der Phänotyp, eine Gruppe, die wir uns nicht selbst aussuchen. So werden wir geboren, und es beeinflusst uns. Manche ändern den Phänotyp durch eine Operation und Hormone, manche nicht. Anderen ist es egal. Denken, dass es so wichtig ist, wie Augenfarbe oder die Größe des Schwanzes. Meine Antwort: Post-Post-Gender. Es ist nach aller Gleichmacherei wieder OK, zu seinem Geschlecht zu stehen. Dies als Teil der Selbstdefinition zu begreifen und zu erleben, was es bedeutet diesen Körper, dieses Hirn, diesen Geist zu haben. Wir können eine geschlechtslose, neutrale Masse sein, wenn wir wollen. Ich will klar für mich sagen: Ich bin Mann und finde es gut. Und ich mag Frauen. Frauen die auch dazu stehen, ein Weib zu sein. Die nicht besser im Jagen sein müssen, um sich gut zu fühlen, und denen ich auch gerne mal das Reden überlasse. Um mal zwei platte Klischees zu bemühen. Unterschiede Vielleicht ist diese Schrift, so wie viele andere zum Thema auch, ja wie die Kapelle auf der Titanic. Die Unterschiede sinken, wir flöten weiter den bekannten Marsch. Dann sei es so. Die Unterschiede sind es mir wert. Die Spannung, die durch das Anders Sein zum gegenüber entsteht, der daraus entstehende Sex, im Kopf und zwischen den Beinen. Natürlich ist dies auch ohne den Unterschied der Geschlechter möglich. Nun, wenn das genauso kicken würde, wäre der Anteil der Homo- und Bisexuellen um einiges höher. Es geht um Körper. Es geht um Geruch. Es geht um passende, kompatible Geschlechtsteile. Wenn es möglich wäre, den Körper umzubauen, also per Willensakt von Frau zum Mann und andersherum zu mutieren, ich wäre sofort dabei. Mal ein paar Jahre ein Frau sein, vielleicht auch ein Kind austragen. Und dann wieder wechseln, wie es mir beliebt. Die Neugier auf das Andere ist da, keine Frage. Iain M. Banks beschreibt in “excession”, wie dies in einer Partnerschaft gelebt werden könnte. Gegenseitiges Befruchten und gleichzeitiges schwanger sein inklusive. Sehr spannend und lesenswert. Das ist die ideale Post-Post-Post-Gender Utopie. Bis dahin sind wir auf den Körper angewiesen, mit dem wir geboren wurden. Wir können ihn etwas ändern. Mit Hormonen sogar ziemlich. Dennoch. Der Körper definiert uns. Stellt die Grenzen auf, denen der Geist nur in der Phantasie entfliehen kann. Und gibt auch die Möglichkeiten vor, die wir haben. Mit dem aktuellen Stand der Medizin ist vieles möglich, aber kein als Frau geborener Mensch wird jemals wissen, wie es sich anfühlt, einen Ständer zu haben und ihn zu benutzen. Kein Mann wird jemals wissen, wie es ist, eine Klitoris zu haben. So vieles tief in uns, unseren Hormonen, Motivationen und Art zu denken, sind durch diesen Körper unserer Geburt bestimmt. Und solange der oben beschriebene Wechsel nicht möglich ist, sollten wir das Beste daraus machen. Die Unterschiede annehmen. Die Nachteile kennen und die Vorteile nutzen.